Auktion im Heidelberger Schloss – Hybrid-Auktion 2022 – Oskar Kampik
HYBRID-AUKTION · HEIDELBERG

Auktion im Heidelberger Schloss

Projektbericht · Pilotprojekt Oktober 2022
Oskar Kampik präsentiert eine signierte Majolika-Keramik von Peter Robert Keil bei der Auktion im Heidelberger Schloss
Vor der Kamera: eine signierte Majolika-Arbeit von Peter Robert Keil – jedes Los wurde im Livestream ausführlich vorgestellt.

Eine Auktion ist ein Format mit klaren Regeln: Los aufrufen, Gebote einholen, Zuschlag. Effizient, aber selten erklärend. Im Oktober 2022 haben wir ausprobiert, was passiert, wenn man dieses Format aufbricht – und es mit einer Ausstellung, einer Führung und einem offenen Expertengespräch zu einem einzigen Abend verbindet, der zeitgleich im Saal und auf sechs internationalen Streaming-Plattformen stattfindet.

Anlass war der 80. Geburtstag von Peter Robert Keil. Die Keil Collection Heidelberg zeigte dazu unter dem Titel „IchFarbe – ein Maler sagt ich“ eine große Jubiläumsausstellung – kuratiert von Dr. Kristina Hoge und dank der Unterstützung der GIM an einem außergewöhnlichen Ort: dem Ottheinrichsbau im Heidelberger Schloss. Über 600 m², vier Räume, mehr als sechs Meter Deckenhöhe. Keils farbintensive Malerei vor Renaissance-Mauerwerk – ein Kontrast, der die Werke trug.

6
Livestream-Plattformen
6
Länder mit erfolgreichen Geboten
16/16
Lose verkauft
50 %
des Erlöses als Spende

Die Idee: keine Auktion, sondern ein Abend

Statt um 19:00 Uhr einfach den ersten Zuschlag zu erteilen, begann die Übertragung mit einem Rundgang durch die Ausstellung. Dr. Kristina Hoge kommentierte die sieben Motivgruppen, die dem Ausstellungskonzept zugrunde lagen – Werke aus verschiedensten Schaffensphasen im direkten Vergleich, statt der üblichen Chronologie. Erst danach führte die Kamera in den Auktionssaal.

Dort übernahm Michael Lehrberger vom Auktionshaus Historia – ein Auktionator, der ein Publikum halten kann, auch wenn zwischen zwei Losen fünf Minuten Gespräch liegen. Und genau darum ging es: Zwischen den Zuschlägen stand konsequent die Vermittlung. Die langjährige Majolika-Mitarbeiterin Frau Bayne erläuterte etwa den kompletten Produktionsprozess einer Majolika-Keramik samt beider Brände. Wer zuschaute, verstand am Ende nicht nur, was ein Werk kostet, sondern warum.

„Die Auktion glich weniger einer Versteigerung als einer offenen Gesprächsrunde zwischen Experten und Kunstinteressierten – mit Zuschlägen dazwischen.“

Warum hybrid – und was das technisch heißt

Hybrid bedeutet nicht, eine Kamera in den Saal zu stellen. Es bedeutet, zwei Publika gleichzeitig zu bedienen, die völlig unterschiedliche Bedürfnisse haben: Die Gäste vor Ort wollen Atmosphäre, Nähe zum Künstler, Gespräch. Die Zuschauer im Stream wollen Bild, Ton, Detailaufnahmen und die Sicherheit, dass ihr Gebot ankommt. Das muss vorher durchgeplant sein:

  • Regie und Dramaturgie – ein Ablauf, der als Sendung funktioniert und trotzdem einen Raum voller Gäste nicht ausschließt.
  • Parallele Plattformen – sechs Streaming- und Bietkanäle gleichzeitig, mit sauberem Gebotsabgleich in Echtzeit.
  • Losvorstellung fürs Objektiv – jedes Werk so präsentiert, dass Signatur, Material und Zustand auch auf einem Bildschirm in Kalifornien lesbar bleiben.
  • Content statt Leerlauf – die Wartezeiten sind der eigentliche Gewinn: Hier entsteht Vertrauen, und Vertrauen entscheidet über Gebote.

Das Ergebnis: Alle 16 aufgerufenen Werke wurden verkauft – mit Geboten aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, Italien, Frankreich und den USA. 50 Prozent des Erlöses gingen als Spende an das Xylon Museum in Schwetzingen.

Charity-Auktion der Ausstellung "IchFarbe – ein Maler sagt ich" im Ottheinrichsbau des Heidelberger Schlosses
„IchFarbe – ein Maler sagt ich“: über 600 m² im Ottheinrichsbau – und ab 19:00 Uhr der Auktionssaal.

Der Rahmen: Vernissage, Buch, Glückwünsche

Die Auktion war der Schlusspunkt eines Abends, der um 16:00 Uhr begonnen hatte. Über 100 Gäste waren angereist, aus der ganzen Republik und aus dem Ausland. Auf dem Programm standen die Einführung in das Werk durch Dr. Kristina Hoge, Lesungen des Lyrikers Rainer René Mueller, musikalische Sets von Jule Werner & Band – und die Vorstellung des Buchs „Keil 80″, gestaltet vom Plakatkünstler Götz Gramlich, mit QR-Codes, die Leser direkt zu den Videos der Sammlung führen. Die ersten 80 Exemplare sind nummeriert und signiert.

Außerdem übergeben wurde ein Booklet mit über 30 Glückwünschen aus der Fangemeinde – darunter einer von Bundestagspräsidentin Bärbel Bas.

Was das Projekt gezeigt hat

2022 war Hybrid für viele Häuser noch ein Notbehelf aus der Pandemiezeit. Dieses Projekt hat für mich das Gegenteil belegt: Richtig gebaut, ist das hybride Format nicht die schlechtere Live-Auktion, sondern ein eigenes Genre. Es erreicht Bieter, die nie angereist wären, es macht Expertenwissen zum Teil des Verkaufs statt zur Fußnote im Katalog – und es funktioniert auch dann, wenn die Lose keine Millionenschätzungen tragen.

Genau diese Verbindung aus Auktionshandwerk, Digitalisierung und Vermittlung ist der Kern meiner Arbeit geblieben.

Mehr dazu: Digitalisierung · Alle Projekte

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