Wie bist du zum Kunstmarkt gekommen?
Aufgewachsen bin ich in Heidelberg, in einer Familie, in der sich vieles um Kultur drehte. Mein Vater hat ein Marktforschungsinstitut aufgebaut, und was ich von dort früh mitgenommen habe: Dinge nicht einfach hinnehmen, sondern hinterfragen – und verstehen wollen, welche Dynamiken wirklich hinter dem Handeln von Menschen stehen. In die Kunstwelt bin ich dann Schritt für Schritt hineingewachsen: zuerst mit einzelnen Projekten für die Keil Collection Heidelberg und die Matthias Maaß Collection, seit 2021 im Historia Auktionshaus in Berlin. Ich bin also nicht über die Kunstgeschichte eingestiegen, sondern über die Frage, wie dieser Markt eigentlich funktioniert.
Was macht ein Wirtschaftspsychologe im Auktionsgeschäft?
Mehr, als man denkt. Der Kunstmarkt handelt nicht mit Objekten, sondern mit Vertrauen, Knappheit und Bedeutung – das sind psychologische Währungen. Wer versteht, warum Menschen sammeln, kaufen und loslassen, bewertet besser, verhandelt besser und begleitet besser. Gerade bei Nachlässen, wo Emotionen und Marktrealität aufeinandertreffen.
Warum vertrauen dir Menschen ganze Sammlungen an?
Weil ich sie ganz übernehme – nicht nur die Highlights – und für das Ergebnis gerade stehe. Und vielleicht, weil ich nach einem Prinzip arbeite, das ich von zu Hause mitbekommen habe: Ein gutes Geschäft ist eines, bei dem alle gewinnen. Mein eigenes Interesse zu maximieren liegt mir fern – mir geht es um das Projekt als Ganzes: um die Sammlung, die Menschen dahinter und die Käufer, die sie weitertragen. Das größte Projekt bisher, die Abschlussauktion der Majolika Manufaktur Karlsruhe, hat mir gezeigt, dass genau das funktioniert: über 10.000 Objekte, drei Auktionstage – und jedes einzelne Stück verkauft.
Was kannst du nicht?
Ich bin kein Kunsthistoriker – und tue auch nicht so. Für Expertisen, Restaurierung und Spezialgebiete habe ich ein über Jahre gewachsenes Netzwerk aus Menschen, die darin besser sind als ich. Meine Arbeit ist, die richtigen Leute zum richtigen Zeitpunkt an die richtige Sammlung zu bringen – und den Überblick zu behalten. Und: Wenn sich eine Auktion nicht lohnt, sage ich das. Auch wenn es mich den Auftrag kostet.
Warum machst du das alles?
Es klingt kitschig, aber: zu einem großen Teil aus Liebe zur Kunst. Jedes Werk hat seine eigene Geschichte – einen Grund, warum es einmal in eine Sammlung kam, und einen, warum es sie jetzt wieder verlässt. Anders als fast alles, womit heute gehandelt wird, haben diese Objekte eine Seele. Das fasziniert mich. Deshalb führe ich mit Art Unscripted lange Gespräche mit Menschen, die der Kunst ihr Leben widmen. Und deshalb stand ich bei einer Charity-Auktion hinter dem Pult, bei der junge Erstbieter ihre ersten Werke ersteigert haben – der Erlös ging komplett an krebskranke Kinder. Kunst soll nicht in Depots verschwinden, sondern zu Menschen finden, die sie zu schätzen wissen.